The Translator's Invisibility: Eine Analyse der unsichtbaren Übersetzer
Stell dir vor, du liest einen preisgekrönten Roman aus einem anderen Land und fühlst dich dem Autor direkt verbunden. Doch in Wahrheit blickst du auf eine Maske, die von unsichtbaren Händen geschmiedet wurde. In dieser Analyse tauchen wir in die verborgene Welt der Übersetzung ein und enthüllen, wie Lawrence Venuti in seinem bahnbrechenden Werk The Translator's Invisibility zeigt, dass Übersetzer oft dazu gezwungen sind, sich unsichtbar zu machen.
Das Ideal der Flüssigkeit
In der Literaturkritik dominiert ein übermächtiges Ideal: eine gute Übersetzung sei wie eine Glasscheibe, die man nur bemerkt, wenn sie Kratzer hat. Dieses Streben nach flüssiger Transparenz führt dazu, dass jede sprachliche Eigenheit und kulturelle Spezifika des Originals ausgebügelt werden. Der Preis dafür ist enorm: Die Andersartigkeit des Textes geht verloren, und die Arbeit des Übersetzers wird unsichtbar.
Wirtschaftliche und kulturelle Konsequenzen
Diese Unsichtbarkeit hat gravierende Folgen. Übersetzer werden oft schlecht bezahlt, wie das Beispiel von Paul Blackburn zeigt, der 1965 für die Übersetzung von Julio Cortázars Kurzgeschichten nur 15 Dollar pro 1.000 Wörter erhielt und an der Armutsgrenze lebte. Zudem führt die Forderung nach Flüssigkeit zu einem kulturellen Narzissmus, bei dem fremde Texte so angepasst werden, dass sie wie heimische Literatur klingen. Im angloamerikanischen Raum machen Übersetzungen nur 2-4 % des Buchmarktes aus, während es in Deutschland und Italien 14-25 % sind.
Historische Fallstudien der Domestizierung
Die Geschichte zeigt, wie Übersetzungen gezielt manipuliert wurden. Sigmund Freuds Werke wurden im Englischen mit griechisch-lateinischen Kunstwörtern wie Parapraxis statt Fehlleistung übersetzt, um die Psychoanalyse als harte Wissenschaft zu legitimieren. Sir John Denham verwandelte 1656 Vergils Aeneis in royalistische Propaganda, indem er britische Architekturbegriffe einflocht. Robert Graves dichtete 1957 Caesar eine abwertende sexuelle Dynamik an, indem er Contubernium mit Lustknabe übersetzte, geprägt von der Homophobie des Kalten Krieges.
Gegenbewegungen und Verfremdung
Es gibt jedoch Übersetzer, die sich der Domestizierung widersetzen. Ezra Pound übersetzte das altenglische Gedicht The Seafarer bewusst sperrig und archaisch, um die Fremdheit zu bewahren. John Nott übersetzte 1795 Catull ohne Zensur und mit rauer Metrik, während George Lampe 1821 den Text glättete und zensierte, um das bürgerliche Publikum nicht zu schockieren. Diese Beispiele zeigen, dass Übersetzung immer eine Interpretation und oft eine Neuschreibung ist.
Key takeaways
- Flüssige Übersetzungen löschen die Fremdheit des Originals aus und machen den Übersetzer unsichtbar.
- Übersetzer werden oft schlecht bezahlt und müssen alle Rechte abtreten, wie das Beispiel Paul Blackburn zeigt.
- Die Forderung nach Flüssigkeit führt zu kulturellem Narzissmus, bei dem fremde Kulturen angepasst werden.
- Historische Beispiele wie Freud, Denham und Graves zeigen, wie Übersetzungen für politische, wissenschaftliche und moralische Zwecke manipuliert wurden.
- Verfremdende Übersetzungen wie die von Ezra Pound oder John Nott bewahren die Andersartigkeit des Originals.
- Als Leser sollten wir uns fragen, wessen Stimme wir hören und ob wir echte Andersartigkeit akzeptieren.
Wenn unsere moderne Gesellschaft ununterbrochen diese absolute Flüssigkeit fordert, verlehen wir dann nicht schleichend die intellektuelle Muskulatur, echte Andersartigkeit überhaupt noch zu ertragen?
Warum fühlen sich übersetzte Romane oft an, als wären sie im Deutschen geschrieben worden? Dieser Deep Dive folgt Lawrence Venuti und seinem Werk The Translator
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